Erfahrungsbericht: TS-Optics PHOTOLINE 130 mm f/7 Triplet APO – 3.7 Zoll RPA Auszug – FPL-53

Wie alles anfing:

Ende 2018 kaufte ich einen TS-Optics Photoline 80mm f/6 FPL53 Triplet-Apo 2,5″ RPA um mit der Moravian G2-8300 s/w ausgedehnte Nebel und insbesondere die M31 Andromeda aufnehmen zu können. Bei dem Firstlight (NGC 6992 – östlicher Schleiernebel oder auch “Knochenhand”) war ich so begeistert, dass ich das große Teleskop gegen ein solches Teleskop tauschen wollte.

Aber warum wechselt jemand von einem 200mm-Newton der ONTC-Serie zu einem Triplett-Refraktor? Der f/5 Newton sammelt mehr Licht und ist schneller. Ganz zu schweigen von der besseren Auflösung!
Diese Frage lässt sich simpel beantworten:

  1. Keine Justage im Vorfeld nötig
  2. “Leichterer Transport”, da kompakter (das Teil ist trotzdem schwer)
  3. Bessere Abbildungsqualität

Um ein wenig Startkapital zu erzeugen, verkaufte ich meinen Newton am 24. September 19, mit allem Zubehör. Ein Interessent fuhr extra aus dem Großraum Frankfurt nach Stuttgart um den Newton abzuholen. Bereits zwei Tage später fuhr ich wiederum nach München zu TS und holte das schnuckelige Teil inklusive Koffer. Ich werde die Schmerzen nie vergessen, als ich das Paket zuhause vier Stockwerke hoch tragen musste. Dabei war der Koffer nochmal ein ganz eigener “Brocken”.

Der TS Photoline 130 ausgepackt

First Light – Visuell

In der Nacht von Freitag, 11.10.19, auf Samstag, 12.10.19, war fast Vollmond aber klares Wetter. Also schnell alles aufgebaut. Gegen 23 Uhr startete ich dann meine Gehversuche: das Alignment mit drei Sternen war schnell durchgeführt. Ein Polaralignement erfolgte praktisch nicht. Anschließend schwenkte ich auf den fast Vollmond. Der Anblick überraschte mich in Punkto Schärfe und Farbe – ein Genuss. Es folgte ein kurzer Schwenk auf Messier-Objekte, wohlwissend, dass diese nur sehr schwach sein würden.
Dem war es auch so und ich entschied noch ein paar fotografische aufnahmen zu machen.

 

 

 

 

 

 

First Light – fotografisch

Als ich die Kamera anschrauben wollte musste ich, aufgrund meiner Unwissenheit, wohl ausgesehen haben wie der “Neandertaler” neben an. Bis ich die richtigen Teile in der korrekten Reihenfolge gebracht hatte… Dabei war es ja nicht so, dass mir TS es nicht genau gesagt/geschrieben hätte. Die Bastelstunde war dennoch ganz witzig. Für eine Moravian G2-8300 mit externem Filterrad ist folgende Adaption notwendig:

APO130F7-DEL  –> TSFlat3  –> TSFlat3-M48 –>  TSVF230  –> TSVF220  –> TSVF208  –> TSVF203  –> Moravian TA-M48-55-E –> Moravian CCD-EFW-2S-7  –> Moravian G2-8300 Kamera

Danach klappte es auch mit dem Fokus!

Um etwa 0:30 Uhr, als erste Aufnahmen liefen, meinte ein “netter” Mitmensch, ein Feuerwerk zünden zu müssen – ein Omen? Jedenfalls beobachtete ich voller Sorge, die Rauchwolke. Zum Glück zog sie nicht in meine Richtung. Ich nahm Messier 13 – ein Kugelsternhaufen – im Pegasus auf.

Später schwenkte ich auf NGC 7331 und probierte verschieden Belichtungszeiten 240, 300 und 600 Sekunden. Sehr interessante Ergebnisse.

Als Messier 33 – Dreiecksgalaxie – den Meridian passierte, schwenkte ich dorthin und machte das folgende Bild.

M33 mit dem TS Photoline 130 bei 910 mm, 3x LRGB á 300 Sekunden unguided bei fast Vollmond.

Als ich damit gegen 4 Uhr fertig war, bemerkte ich etwas sehr schönes. Das mir so noch nie so richtig bewusst geworden war. Der fast Vollmond stand im Westen nahe dem Horizont und nahm die typische gelbe/rötliche Farbe an. So weit, so bekannt. Aber Richtung Süden teilte sich Himmel nun in einen hellen Westen und einen dunklen Ostteil. Die Trennlinie verlief in etwa auf der Meridianlinie. Hoch oben befanden sich die Plejaden und weiter im Osten der Orion. Auf der hellen Westseite waren nur die hellsten Sterne gerade so sehen, während im Osten alles zu sehen war, was der Himmel in unseren Breiten hergibt. Dann schoss plötzlich die erste Sternschnuppe durch das Sternbild Orion, hatte ich sie mir nur eingebildet? Ich ging zum Laptop und schaute nach, tatsächlich: die Orioniden. Vier weitere folgten. Wunderschön. Der Apo durfte dann mal sogleich den Orionnebel ansteuern:

M42 am 12.10.2019 mit 3x RGB á 300 Sekunden mit dem TS Apo 130 bei 130 mm f/7; Moravian G2-8300.

Das Postprocessing war “quick & dirty” in Pinxinsight. Hauptsache es kam was bei rum. Am “linken” Rand ist ein Teil von NGC 1977 – Running Man-Nebel – erkennbar.

Fazit:

Der Apo macht sehr viel Spaß und ist recht unkompliziert in der Handhabung. Sicher, er ist deutlich langsamer als es mein Newton war oder gar als ein Astrograph aber er hat mir schon so viel Erfolg und Freude bereitet, dass ich die nächste schöne Nacht kaum erwarten kann. Diese steht nun am 26.10.2019 bevor.  Jedoch wird nun erstmal der kleine Apo ran dürfen… es gilt die M31 abzulichten. Darauf warte ich schon Jahre.

 

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